Neuigkeiten – Noticias – News

Que pasó? Was ist passiert? …fragen sich vielleicht einige.

Ich habe mich entschlossen den Blog nicht mehr weiterzuführen und möchte euch dafür auf eine andere Möglichkeit hinweisen, wie ihr Neuigkeiten von mir erfahren könnt. Ich habe nämlich weiterhin regelmäßig Rundmails an Spender, Verwandte und Freunde geschickt und werde diese auf jedenfall auch noch weiterhin schreiben.

Falls ihr daran interessiert seid, könnt ihr in meine Dropbox schauen (oder aber auch mir übers Kontaktformular eure E-Mail-Adresse zukommen lassen)

https://www.dropbox.com/sh/jx807s4p7jdv6xd/AABvW5aRr0fR9aoOoBOx2L-ra?dl=0

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Playa Los Naranjos, Santa Marta, März 2016

 

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Vom Páramo bis in die 8 Millionen Hauptstadt

Nachdem der erste Monat in der Schule super schnell vergangen ist, stand für uns Freiwillige gleich eine ganze Woche Ferien an. Plus ein angehängter Feiertag am Montag.

Am Freitag bin ich nach der Schule (etwas gehetzt, es wurde nämlich vorher noch der Día del Boyacá dort gefeiert) mit gepacktem – eher vollgestopften – Reiserucksack nach Tunja zu Pauline gefahren. Am Nachmittag stand dort erstmal Reunión mit unserer Freiwilligentruppe an!

Am Samstag morgen sind wir dann sehr früh aufgestanden. Grund war einmal, dass wir zeitig loskommen wollten, um noch was vom ersten Urlaubstag zu haben, andererseits aber auch, dass Paulines Familie an dem Tag umgezogen ist. Zwar nur zwei Straßen weiter, aber das Haus musste dann doch früh geräumt werden.

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Mit Sack und Pack bereit für unseren Urlaub

So saßen wir um 8 schon im Bus am Terminal nach Sogamoso. Sogamoso ist nur ca. 1 Stunde Fahrt von Tunja entfernt und so hatten wir eine sehr kurze und entspannte Busfahrt, sind aber trotzdem gefühlt in einer anderen Welt angekommen. Sogamoso ist auch eine der größeren Städte in Boyacá, aber nicht ganz so groß wir Tunja. Dafür ist das Klima dort schon deutlich milder und wärmer, zumindest tagsüber. Dort haben wir uns in einer Finca einquartiert: Finca San Pedro

Eine  familiäre, hostelartige Unterkunft auf einem wunderschönen, idyllischen Grundstück. Dort hatten wir zwei Betten in einem Schlafsaal mit sehr netten Leuten. Außerdem gab es einen schönen Gemeinschaftsraum mit Küche, wo wir uns auch selbst was kochen konnten.

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Blick auf der Grundstück der Finca

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Dormitorio

Den ersten Tag haben wir damit verbracht Sogamoso anzuschauen. Fazit: Wunderhübsch ist die Stadt nun nicht, aber sie hat auch ihren Charme. Nachdem wir Empanadas essen waren, uns total nett mit ein paar Leuten unterhalten haben und uns wieder einmal die Offenheit und Herzlichkeit der Kolumbiander bewusst wurde, haben wir uns spontan auf den Weg in ein Dorf in der Nähe gemacht. Iza ist klein und überschaubar, ähnlich wie Cucaita, und für seine himmlischen postres (Nachtische) bekannt. Dementsprechend haben wir uns dort natürlich ein wenig durchprobiert, sind danach aber wieder zurück nach Sogamoso… um ein bisschen Eis zu essen. Wir wollten uns eigentlich auch noch ein Museum und den Templo del Sol (Sonnentempel) anschauen, der sich in der Stadt befindet, aber als wir um 5 dort ankamen, waren diese schon fast am Schließen. Que pena! (Wie schade!) Dafür haben wir uns auf die Suche nach einem Supermarkt gemacht, um für unser Abendessen zu sorgen.

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Im Zentrum von Sogamoso

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Arepas:)

 

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Postres en Iza

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… und die Fortsetzung: Eis-Fruchtsalat mit Raspelkäse

Am Tag 2 hat uns der Besitzer Juan der Finca geholfen eine Wanderung zu organisieren, die ich so schnell nicht vergessen werde. Es ging nach Monguí, ein Dorf etwas östlich von Sogamoso, das einst zum schönsten Dorf Boyacás gewählt wurde. Direkt an das Dorf grenzt eine Vegetationszone, die man in Deutschland definitiv nicht finden wird. Das Páramo. Geführt von einem etwas schüchternen, aber nettem Guide, ging es um 8 Uhr morgens gut mit Proviant ausgestattet in das Páramo Ocetá. Die Bilder sprechen für sich. Ich muss aber erwähnen, dass es die ersten 3-4 Stunden konstant bergauf ging. Knapp 1000 Höhenmeter haben wir dabei zurückgelegt bis zu einer Höhe von 3900 m… Insgesamt sind wir knapp 22 km gewandert, etwas mehr als 7 Stunden. Fix und fertig war ich danach auf jedenfall. Zudem muss man sagen, dass es zum Ende hin auch richtig kalt wurde und ein ordentlicher Wind geweht hat. Dafür waren die Aussichten atemberaubend und das Gefühl, dass man es geschafft hat, gut! 🙂

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Im Dorf Monguí

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Ausblick zu Beginn der Wanderung

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Aussicht im Páramo

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Schon leicht fertig und durchgefroren 😀

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Begleitet wurden wir auch von ein paar orientierungslosen Kolumbianern, die uns Snacks gegeben haben

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Wildpferde

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…mussten auch ein paar Engpässe durchqueren

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Die fürs Páramo bekannte Pflanze frailejón die nur 1 cm pro Jahr wächst

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Pauline y yo

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So nah an den Wolken

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Auf 3900 m Höhe: Blick auf die Laguna Negra

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Frailejones, frailejones y más frailejones!

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Die Ciudad Perdida

Mit leichten Poschmerzen vom Wandern ging es am nächsten Tag auf einen etwas entspannteren Trip. Auch ganz in der Nähe von Sogamoso befindet sich der größte See Kolumbiens auf rund 3000 Metern Höhe: Der Lago de Tota. Mit dem Bus sind wir eine halbe Stunde in das Dorf Aquitania gefahren, dass direkt am See liegt. Leider war das Wetter eher durchwachsen und in Kombination mit der Höhe, war es doch ein wenig frisch. Trotzdem haben wir uns dann auf die Suche nach dem Bus gemacht, der uns zum Playa Blanca bringen sollte. Ein weißer Sandstrand direkt am Seeufer. Ein wirklich schöner Strand, an dem man bei gutem Wetter eher entspannt sitzen kann. Als wir dort ankamen, hat es nach einer kurzen Weile leider angefangen zu regnen, sodass wir beschlossen haben ins nächste Dorf zu fahren: Tota. Und in Tota ist auch leider tote Hose. Wir haben dafür an einer Tankstelle Trucha, frische Forelle, gegessen. Dann gings ins nächste Dorf, Cuítiva, wo allerdings auch nicht sonderlich viel los war. Das Standardfoto von der Kirche haben wir natürlich geschossen, außerdem ein Eis gegessen. Danach sind wir wieder zu unser Finca gefahren, haben mit ein paar anderen Gästen gemeinsam ein Abendessen gezaubert und sind wieder relativ früh schlafen gegangen, da am nächsten Tag eine weiter Wanderung anstehen sollte.

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Kirche in Aquitania

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Der Playa Blanca am Lago de Tota

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Auch das Zelt kann man hier aufschlagen, bei einem frischen Wind…

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feliz

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Kirche in Cuítiva

Tag 4 war für mich eins der Highlights. Relativ früh sind wir mit einer amerikanischen Freiwilligen der Finca  zusammen im Bus von Sogamoso Richtung Yopal gefahren. Yopal liegt schon nicht mehr in Boyacá sondern im Departamento Casanare. Ganz so weit sind wir allerdings nicht gefahren. Die Fahrt ging vorbei am Lago de Tota, durch Páramo bis wir in einer völlig anderen Vegetatioszone angekommen sind. Als wir nach einer sehr kurvigen Fahrt aus dem Bus ausgestiegen sind, ist mir die Hitze ins Gesicht geschlagen. Ein fast tropisches Klima mit hoher Luftfeuchtigkeit und gefühlten 30 Grad. Wir waren an der Straße, die nach Pajarito führt, ein kleines Dorf ganz im Osten von Boyacá. Dort wurden wir von dem Guide in Empfang genommen. Die Wanderung sollte nicht ganz so lang und anstrengend werden, wie die ins Páramo. Ziel war diesmal der zweitgrößte Wasserfall Kolumbiens: Der Salto de Candelas. Nur ca. 1,5 Stunden um hinzukommen, allerdings mit einigen Flussüberquerungen und ebenfalls einem Aufstieg auf den Berg, im Hintergrund immer das Rauschen des Río Cusiana. Dieser Guide war ein wenig gesprächiger als der andere im Páramo und hat uns nicht nur etwas über die Pflanzen und Natur erzählt, sondern war auch ganz begeistert von unserem Freiwilligendienst und hat uns viele Fragen gestellt. Ein wenig durchgeschwitzt sind wir dann beim Wasserfall angekommen und der ist wirklich unbeschreiblich. Rauschende Massen an Wasser die scheinbar aus dem Nichts heruntergestürzt kamen und auch wir wurden von vielen feinen Wassertropfen erfrischt. Nach einer Mittagspause und vielen Fotos sind wir wieder zurückgewandert. Der Guide hatte uns außerdem Wanderstöcker mit seiner Machete gemacht, die sogar ganz hilfreich waren. Wieder an der Straße angekommen, haben wir einen Saft und Tinto getrunken. Der Kaffee ist hier besonders frisch, da in dieser Region Kaffee angebaut wird. An einigen Plantagen sind wir auch vorbeigewandert.
Dann gings auch schon wieder in den Bus. Wir hatten sehr Glück, dass es die gesamte Wanderung über nicht geregnet hat. Normalerweise regnet es hier nämlich recht häufig und dann auch ordentlich. Die Fahrt zurück war wieder kurvig und diesmal haben wir auch mitbekommen, warum der Busfahrer am Anfang auf die vorhandenen Tüten aufmerksam gemacht hat. Einer Frau schlugen die Kurven und die unebene Straße auf dem Magen… Ja da hat sie dann halt eine Tüte gebraucht. Besonders überrascht hat mich die starke Militärpräsenz auf der Strecke. Alle 2 km waren Soldaten positioniert, die dem Busfahrer den Daumen gezeigt haben: Alles super?! Und  auch der Busfahrer zeigte den Daumen: Jo, alles gut!
Den Guide hatten wir darauf angesprochen: Generell ist Boyacá ein relativ sicheres Departamento. Doch gerade im Osten, wo sich die dichteren Tropenwälder  und weniger Dörfer befinden, ist die Sicherheitslage nicht ganz so stabil wie beispielsweise im Zentrum von Boyacá, wo sich Tunja und Cucaita befinden. In den Wäldern und Bergen können sich leichter die Guerilla verstecken und vor einigen Jahren kam es in diesem Teil von Boyacá auch noch zu Übergriffen. Aus dem Grund ist hier das Militär noch deutlich präsenter als in anderen Regionen. Das war das erste Mal, dass ich seit meiner Ankunft bemerkt habe, wie Kolumbien auch heute noch von der politischen Vergangenheit geprägt wird.
Die Wanderung haben wir trotzdem sehr genossen und es ist beeindruckend, wie man innerhalb von 2 Stunden Fahrt solch verschiedene Landschaften vorfinden kann.

6.10.2015

In der Nähe von Pajarito

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Flussüberquerung

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Am Salto de Candelas

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Kurze Erfrischung zwischendurch

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Paradies

Am nächsten Tag haben wir auch schon unsere Rucksäcke wieder gepackt. Vormittags sind wir erstmal noch in das kleine Dorf Nobsa gefahren, dass für seine Artesanias (ähnlich wie Ráquira) bekannt ist. Besonders aber für seine ruanas (Ponchos), die es hier in allen möglichen Varianten, mit verschiedenen Farben und Schnitten zu kaufen gibt. Ich habe mir dort allerdings nur einen Schal gekauft, werde mir irgendwann bestimmt aber auch noch einen schönen ruana kaufen, da in Cucaita fast jeder einen besitzt.

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Parque Principal von Nobsa

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Ruanas (Ponchos) in Nobsa

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Kirche von Nobsa

Nach unserem kleinen letzten Ausflug in Boyacá sind wir mit dem Taxi zum Terminal von Sogamoso gefahren und haben uns einen schönen, großen Bus nach Bogotá gesucht. Dort wollten wir nämlich die nächsten 4 Nächte verbringen. Abends sind wir am Portal Norte, an einer großen Bus und Transmilenio Station im Norden, angekommen. Dort hatten wir erstmal Schwierigkeiten ein Taxi zu bekommen, haben für ein wenig Trinkgeld uns aber von einem Mann eins stoppen lassen. Dann ging es ab zum Apartment von Paulines Gastfamilie, wo auch ihr Gastbruder wohnt. Dort sind wir auch bis zum Sonntag geblieben. Die Zeit haben wir weniger mit Sightseeing verbracht, sondern eher mit Entspannen und Essen. In Bogotá findet man nämlich Restaurants und Essen jeder Art und so haben wir uns vor allem Essen gesucht, was wir in Tunja nicht so leicht finden können. Einen Tag waren wir außerdem eine Freundin von Pauline in ihrem Freiwilligenprojekt in Bogotá besuchen und abends gemeinsam mit ihr und anderen Freunden feiern. Generell haben wir dort also noch eine entspannte Zeit verbracht, obwohl Bogotá für mich immer mit einem gewissen Stressfaktor verbunden ist. Mir ist die Stadt dann leider doch ein wenig zu groß, aber für ein paar Tage genieße ich das Millionenstadtleben auch gerne. Am Sonntag bin ich dann abends zurück in Cucaita angekommen und zufrieden in mein Bett gefallen (leider hat mich dann die Grippe erwischt). Aber ich kann auf einer wunderschöne Woche zurückblicken!

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Gourmet-Frühstück in Bogotá

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Madagascar Graffiti in Bogotá

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Eis *.*

Und all diese Impressionen die ich in dieser einen Woche schon sammeln konnte, haben mir gezeigt: Kolumbien ist vielfältig, Kolumbien pulsiert und ist faszinierend und mir kribbelts in den Füßen, ich will mehr sehen, mehr erleben, mehr Leute kennenlernen, mehr von der Kultur verstehen.

Nach der Woche war ich aber wirklich unglaublich froh nach Cucaita, nach Hause, zurückzukommen.

Man ist dann richtig angekommen, wenn…..

…. man keine Zeit zum Blog schreiben mehr hat. Oder evtl. auch manchmal keine Motivation. In dem letzten Monat habe ich realisiert, wie schnell die ersten Monate hier vergangen sind und denke mir so oft, dass ich doch lieber mit meiner Familie quatsche, als mich an meinen Laptop zu setzen.

Ich verspreche aber, dass ich jetzt ein paar Blogeinträge „nachreichen“ werde, die eigentlich längst fällig gewesen wären. Auf jedenfall bin ich mehr als zufrieden und kann nicht glauben, dass ich schon 81 Tage hier in Kolumbien bin.

Die Highlights aus dem Oktober:

Eine Woche Urlaub in Boyacá und Bogotá
Freundschaften und „mein“ Dorf
Meine erweiterte Gastfamilie
Mein Projekt „nuevas perspectivas“
Meine Gastmama glaubt mir, dass ich Bus fahren kann
Freiwilligen-Projekt-Power
Politik und der Wahl-Wahnsinn
Halloween
Endlich Regen

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Exploring Colombia – Lago de Tota

„Hola Profe!“ – „Bye, bye!!“ – „Como se dice…“ Mein Schulalltag

Ein Ort an dem ich mich inzwischen sehr, sehr wohl fühle, ist mein Arbeitsplatz, also die Schule in Pijaos, an der ich schon jede*n Schüler*in kennengelernt habe (leider scheitert es immer noch an den Namen). Auch mit den Lehrer*innen dort verstehe ich mich gut und inzwischen werde ich oft gefragt, ob ich nicht Lust habe einen Tinto trinken zu gehen.

Colegio

Colegio

Morgens um 5:30 heißt es für mich Aufstehen. Allerspätestens – denn bis ich es unter die  Dusche im kalten Badezimmer schaffe, vergehen meistens nämlich nochmal 15 Minuten. Um 6:50 werde ich von meiner Gastmama in der Küche schon zum Frühstück erwartet. Das Erste, das sie mir dann oft sagt, ist, dass es in Pijaos heute kalt werden wird. Darauf stelle ich mich inzwischen schon sehr gut ein, sodass ich öfters 3 Paar Socken, eine Leggins unter der Jeans und diverse Shirts und Jacken anziehe. Zwiebellook ist auch hier die beste Variante.  Zum Frühstück gibt es dann meist etwas Obst, einen frisch gepressten O-Saft, eine heiße Schokolade oder Kaffee, 1 Brötchen, 1 Scheibe Käse und Rührei. Auch im Haus ist es morgens noch sehr kalt von der Nacht, sodass ich froh über meine geschichtete Kleidung bin.

Ein schöner Morgen in Cucaita

Ein schöner Morgen in Cucaita

Fast immer hupt es um Punkt 7:30 draußen vor dem Haus. Mein Transport zur Schule. Da nach Pijaos keine direkten Busse vom Zentrum Cucaitas fahren, hat sich die Alcaldia (also quasi der Stadtrat) bereiterklärt, einen Fahrer zu stellen, der mich jeden Morgen zur Schule bringt und mittags auch wieder abholt. Ein netter älterer Herr, der nicht viel redet, aber super freundlich und vor allem  zuverlässig ist.
So fahren wir den holprigen Weg in die Vereda Pijaos hoch, vorbei an Feldern, Tieren und Campesinos (den Leuten, die auf dem Land wohnen und arbeiten).

Wunderschönes Pijaos

Wunderschönes Pijaos

Wenn nicht gerade der einspurige Weg durch einen Laster versperrt wird, der die Kartoffelernten abholt, kommen wir ca. um 8 Uhr an meiner Schule an. Die erste Stunde beginnt bereits um 7:20, sodass ich meistens erst zur 2. Stunde im Unterricht dabei bin. Heute zum Beispiel ging es dann direkt in die 1. Klasse. Begrüßt werde ich mit einem mehr oder weniger einstimmigen „Good morning, teacher!“. Der kleine Maicol sagt mir – wie fast jedes mal -, wie bonita ich wieder aussehe. So haben die Lehrerin und ich für diese Englischstunde einen kleinen Spaziergang geplant. Eine halbe Stunde lang sind wir mit 21 aufgedrehten Kindern zwischen 6 und 9 Jahren in der Umgebung der Schule umhergelaufen. Mit den Kiddies haben wir uns die Landschaft angeguckt und ein paar Wörter dazu auf Englisch gelernt. Geendet hat es in einem leicht chaotischem Durcheinandergefrage. Von „Como se dice perro (Hund) en Ingles?“ bis hin zu „Como se dice relampago (Blitz)?“ war alles was dabei, was irgendwann auch nichts mehr mit der Landschaft zu tun hatte. Im Anschluss hab ich es dann aber doch noch geschafft, einige Wörter auf einem Tafelbild festzuhalten, was die 1. Klässler in ihr Heft kopiert haben. So geht dann die eine Schulstunde auch ziemlich schnell vorbei und ich habe erst mal eine kleine Pause, bei der ich oft Probleme habe, zu meinem Büro zu kommen, da ich auf dem Weg von ca. 40 Schülerinnen und Schülern aus der Primaria (Unterstufe) stürmisch umarmt werde oder ein wenig Smalltalk mit den Älteren Schülern halte. „Hola Profe!“ (Hallo Lehrerin) oder „Hello Laura!“ wird mir dabei öfter mal zugerufen.

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Auf dem Spaziergang mit der 1. Klasse

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…und später wieder im Klassenraum

Meistens habe ich dann noch 2-3 weitere Stunden am Tag, in denen ich dann tatsächlich noch im Unterricht dabei bin. Das variiert jedoch auch von Tag zu Tag. Zwischendurch habe ich immer einige Freistunden, in denen ich mir Aktivitäten überlege, oder an anderen Projekten arbeite. Mindestens einmal am Tag gehe ich außerdem mit jemandem aus dem Lehrerkollegium, oder der Sekretärin oder dem Rektor etwas Heißes in der kleinen Cafeteria trinken, meistens natürlich Tinto.

Um 12:30 werde ich fast jeden Tag wieder von „meinem“ Fahrer abgeholt. Wenn ich ins Auto steige, gibt es jedes mal wenigstens ein*e Schüler*in, von dem ich mit einem „Bye Bye“ verabschiedet werde. Durchschnittlich bin ich also immer so 4-5 Stunden in der Schule. Dabei vergeht die Zeit oft sehr schnell. Mein Stundenplan ist inzwischen auch relativ klar, was dazu beiträgt, dass ich so langsam jeden Tag Bescheid weiß, wo ich wann helfen kann. Jedoch ist mein Arbeitseinsatz und der Grad in dem ich in den Unterricht von den Lehrerinnen eingespannt werde sehr unterschiedlich.

Englisch im Grado Primero

Englisch im Grado Primero

In der Vorschule habe ich bis jetzt die meisten Einheiten alleine geplant und durchgeführt. Die Lehrerin gibt mir lediglich Tipps, welches Thema ich machen kann. So ganz einfach ist das nicht immer, da die Kiddies sich nicht sehr lange konzentrieren  und noch nicht viel schreiben können. Inzwischen habe ich aber gemerkt, dass Lieder, Spiele und Basteln hier am besten funktionieren. Ähnlich ist es in der 1. Klasse!

Beim Englischunterricht in der Oberstufe, werde ich besonders eingesetzt, um bei der Aussprache zu  unterstützen oder um geschriebene Texte zu kontrollieren und bei der Grammatik zu helfen. Da die 6. bis zur 11. Klasse jeweils die gleiche Lehrerin im Englischunterricht hat, die ich dementsprechend auch immer begleite, sind wir beide inzwischen sehr gut aufeinander eingespielt und verstehen uns auch total gut miteinander. Am meisten Spaß macht es mir bis jetzt in der 1.,2., 7. und 9. Klasse.

Briefaustauschprojekt in der 9. Klasse

Briefaustauschprojekt in der 9. Klasse

Ab jetzt werde ich außerdem jede 2. Woche, den Dienstag mit den 10. und 11. Klässlern kochen. Agroindustria heißt das Unterrichtsfach, in dem die wenigen Schüler*innen dieser beiden Jahrgänge einen ganzen Tag in der Schulküche verbringen. Einmal war ich bis jetzt dabei und es wurde eine Menge gebacken. Churros, 2 verschiedene Torten, Croissants und Pizza haben wir in kleineren Gruppen hergestellt. Bevor ich um 12:30 wieder gehen musste, konnte ich natürlich auch probieren und ich muss sagen, dass ich ziemlich beeindruckt war, welche Mengen an leckerem Essen die Schüler*innen in einer so kurzen Zeit produzieren konnten. Ein Großteil wird im Nachhinein außerdem an das Colegio verkauft, um die Ausgaben für die Zutaten wieder decken zu können.

Churros in process

Churros in process

Die fertigen Churros

Die fertigen Churros

Pizza Hawaii

Pizza Hawaii

Um 1 Uhr bin ich somit meistens wieder zu Hause, wo ich dann auch Mittagesse und den Nachmittag frei gestalten kann. Was ich so unter der Woche mache, werde ich demnächst auch einmal erzählen.

Ich kann auf jedenfall sagen, dass ich mit meiner Einsatzstelle in Pijaos sehr zufrieden bin. Auch wenn sich der „Alltag“ auch in der Schule eingependelt hat, kann man eigentlich nicht von Alltag sprechen, da jeder Tag für sich aufregend ist und ich fast immer sehr abwechslungsreiche Schultage erlebe.

Formación der gesamten Schule

Formación der gesamten Schule (alle zwei Wochen)

Das nächste Mal gibt’s einen kleinen Bericht über das letzte Wochenende, das wir in Bogotá verbracht haben! 🙂 Ein kleiner Vorgeschmack! Außerdem habe ich die Fotogalerie aktualisiert, falls jemand Lust hat nochmal reinzuschauen!

Ausblick über die gigantische Stadt

Ausblick über die gigantische Stadt

Wie die Polizei für uns kochte und ich beinahe Ameisen gegessen hätte

Um ein wenig Sonne und Wärme zu tanken, haben wir uns am letzten Wochenende für eine Nacht in einer Finca in einem Dorf namens Sutamarchan einquartiert.

Sutamarchan ist ca. eine halbe Stunde von Cucaita entfernt und liegt weiter im Westen von Boyacá. Das Dorf befindet sich außerdem nur auf 1800 Metern Höhe (ca. 800 m weiter unten als Cucaita) und ist für ein sehr angenehmes Klima bekannt. Bei ca. 20 Grad und blauem Himmeln, konnten wir wunderbar am Pool entspannen. Außerdem ist das Dorf für die „Longanizas“, lange Würstchen, die ein wenig der Chorizo ähneln, bekannt. Gegessen haben wir die allerdings nicht. Stattdessen hat die Polizei für uns gekocht. Ja, richtig. Hier scheint die Bezeichung „Dein Freund und Helfer“ noch etwas passender zu sein. Am Samstagabend hat einer der Kolumbianer, die dabei waren, nämlich noch die Polizisten gefragt, ob sie uns am nächsten Tag nicht besuchen kommen wollten. Am Sonntagvormittag standen dann wirklich gleich drei von den Dorfpolizisten bei uns auf der Matte und haben sich glatt auch ein paar Bier mitgebracht. So haben wir den halben Tag in Gesellschaft der 3 Polizisten aus Sutamarchan am Pool verbracht und Mittags fingen sie an zu kochen. Da haben die tatsächlich für uns 8 Deutsche und 5 Kolumbianer mitgekocht. War auf jedenfall sehr amüsant und etwas unerwartet. Hat aber sehr gut geschmeckt!

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Die Finca in Sutamarchan

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Herrliches Wetter

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Club Colombia – das einzig Wahre 😀

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Die kochenden Polizisten

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Am Sonntagabend ging es auch schon wieder zurück in mein wunderschönes Zuhause in Cucaita, da ich am Montag ja wieder Schule hatte.

Dort hat die Englischlehrerin, mit der ich zusammenarbeite, mich mit einem kleinen Mitbringsel überrascht. Eine total nette Geste, da sie am Wochenende in ihrem Heimatdorf im Departamento Santander war und mir etwas von ihrem Zuhause mitbringen wollte. Ich hätte mich auch sehr gefreut, wären es nicht knusprige Ameisen gewesen, die ich probieren sollte. Auch wenn ich mit dem Gedanken gespielt habe, es zu versuchen, habe ich mich nicht überwinden können. Aber hey, falls ich jemandem als Souvenir kleine Ameisensnacks mitbringen soll, sagt Bescheid.

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Hormigas deliciosas!

Morgen fahren wir mit einigen Freiwilligen für das Wochenende nach Bogotá, um die Stadt kennenzulernen, und am Montag haben wir eine weiter Reunión (Dienstbesprechung) in Tunja.

Ich bin super glücklich hier! Grüße nach Deutschland und in alle anderen Länder auf der Welt, in denen ihr euch gerade so herumtreibt. Hasta luego 🙂

Richtig angekommen – und wie sich der Alltag einpendelt

„Por acá“ -rufe ich einmal durch den Bus. „Acá? Por Cucaita?“- fragt der Busfahrer überrascht, tritt dann aber, wenn auch zögerlich, auf die Bremse.

Immer wieder wundern sich die Busfahrer, warum ich (eher als Touristin eingestuft) in Cucaita aussteigen möchte. So nehmen die meisten doch an, dass ich weiter nach Villa de Leyva fahren möchte.

Ich bin aber inzwischen immer wieder froh an der Hauptstraße, die an Cucaita vorbeiführt, aus den kleinen Bussen zu springen und die Straße zum Haus meiner Gastfamilie herunterzuschlendern. Nach einem Monat fühlt es sich schon wie  zu Hause an und ich liebe es nach einer Nacht in Tunja in „mein“ Dorf zurückzukommen. So langsam pendelt sich hier der Alltag für mich ein und die Leute auf den Straßen fangen an mich bei meinem Namen zu grüßen.

Wie wohl ich mich hier fühle, habe ich gemerkt, als Pauline (eine Mitfreiwillige) am letzten Wochenende zu Besuch bei mir war. Als ich ihr unser Haus, Cucaita und die Drogerie, in der ich wirklich viel Zeit verbringe, gezeigt habe, habe ich realisiert, dass ich auf eine Art und Weise stolz darauf bin, hier zu wohnen. Auch die Menschen, die ich ihr vorstellen konnte, sind mir in der Zwischenzeit schon sehr ans Herz gewachsen. So habe ich mit Rosita, Maribell, Mónica, Julian und den vielen anderen Menschen, denen ich täglich in der Drogerie begegne, schon eine Art zweite Gastfamilie hier in Cucaita gefunden, über die ich sehr dankbar bin.

Auch wenn ich morgens den kurvigen und steilen Sandweg zu meiner Schule in Pijaos hochfahre, bin ich inzwischen erleichtert, weil ich einigermaßen weiß, was mich dort erwartet. (Zu meinem Schulalltag aber demnächst mehr)

Andererseits ist  jeder Tag ein kleines Abenteuer für sich und jeden Abend blicke ich auf viele, kleine, neue Erfahrungen zurück, die ich tagsüber gesammelt habe.

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Weg vom Haus zum Dorfzentrum

El gallo

El gallo

Blick nach Cucaita auf dem Weg zur Schule

Blick nach Cucaita auf dem Weg zur Schule

Die Kuh vor der Dusche und die ersten Schultage

Um 4:45 Uhr klingelt mein erster Wecker. Es ist noch stockduster. Noch einmal 10 Minuten weiterschlafen, da klingelt der zweite Wecker. Bis ich mich dann dazu aufraffen kann, aus meinem warmen Bett in die Kälte aufzustehen, dauert es nochmal 10 Minuten. Um 5:20 stehe ich dann endlich unter der lauwarmen Dusche, blicke aus dem Fenster und sehe wie mich eine Kuh anstarrt.

So in etwa haben meine vergangenen  drei Tage hier in Kolumbien begonnen!

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Der idyllische Blick aus meinem Fenster

Am Montag bin ich mit Natalia, dem Bürgermeister von Cucaita und Dorit (eine ehemalige Freiwillige der Fundación) zusammen zu meiner Schule gefahren. Über eine unbefestigten, kurvigen, holprigen Weg sind wir in die sogenannte Vereda „Pijaos“ gefahren. Die Gemeinde Cucaita besteht aus dem relativ kleinen, aber am dichtesten bewohnten Centro, sowie 6 größeren Veredas. Davon ist Pijaos die größte. In den Veredas finden sich nur vereinzelt Häuser und die meisten Menschen dort leben von der Landwirtschaft. Dementsprechend führt auch mein Schulweg mitten durch die Berge und man fährt an vielen an Eseln, Kühen und Schafen vorbei.

Die Schule an der ich arbeite ist die „Institución Educativa Tecnica Pijaos“, eine öffentliche Schule für Kinder von der Vorschule bis zur 11. Klasse. An meinem ersten Schultag dort war alles noch ein wenig chaotisch, da noch nicht ganz klar war, wie ich denn in Zukunft am besten zur Schule hin und wieder nach Hause kommen soll oder welche Lehrer ich im Unterricht begleiten werde. Am Dienstag und Mittwoch hat sich das aber einigermaßen eingependelt und jetzt blicke ich zufrieden auf die letzten drei Tage zurück!

An der Schule arbeiten insgesamt 11 Lehrerinnen und Lehrer, davon 6 in der Oberstufe. Ich wurde von jedem herzlich begrüßt und habe sogar meinen eigenen Schreibtisch im Lehrerzimmer bekommen. Am Montag war ich zunächst mit der Englischlehrerin der Secundaría (der Oberstufe, 6.-11. Klasse) im Unterricht und habe die 6., 8. und 9. Klasse kennengelernt. Dabei haben wir weniger Englischunterricht gemacht, sondern vielmehr Fragestunde über mich und Deutschland gemacht und ich habe (relativ erfolglos) versucht die Namen der Kinder zu lernen. Insgesamt sind in der Schule nur ca. 200 Schülerinnen und Schülern, sodass es in jeder Klassenstufe nur etwa 15 – 20 Kinder sind. In den nächsten Wochen werde ich dementsprechend auch in jeder Klassenstufe im Englischunterricht dabei sein können und hoffentlich nach und nach auch alle kennenlernen können.

Am Dienstag habe ich dann auch die zweite Englischlehrerin der Primaría (Unterstufe, Vorschule bis 5. Klasse) kennengelernt, eine super herzliche und temperamentvolle Frau, die mich erstmal 5 mal in den Arm genommen hat. Mit ihr war ich dann auch in der 3.,4. und 5. Klasse, wo mich alle Kinder erstmal mit einem Küsschen auf die Wange begrüßen wollten. Auch hier wurden erstmal alle möglichen Fragen gestellt und im Anschluss sind mir die Kinder über den Pausenhof gefolgt und wollten mich immer meine Hand nehmen. In der 6. und 8. Klasse habe ich dann später tatsächlich auch schon beim Englischunterricht geholfen. Am Mittwoch wurde ich schon komplett mit eingespannt, habe in der 1. Klasse mit den 20 wirklich süßen Kindern die Farben auf Englisch gelernt, in der 6. eine Übung zu Berufen auf Englisch gemacht und den 8. beim Schreiben von Texten geholfen.  Da kein Bus nach Pijaos fährt, bin ich bis jetzt immer mit der Sekretärin der Schule hin und zurückgefahren, die auf den Fahrten immer ganz begeistern Sätze auf Englisch lernen wollte.

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Der Weg von der Schule durch die Vereda Pijaos

Heute habe ich erstmal einen freien Tag, da die Lehrer eine Besprechung zur anstehenden Schulinspektion haben, bei der ich nicht dabei sein muss. Morgen geht es wieder für eine  Reunión mit den allen Frewilligen nach Tunja, sodass ich jetzt quasi schon das Wochenende einläuten kann.

Gleich gibt es erstmal Mittagessen und danach setze ich mich an die Unterrichtsvorbereitungen für nächste Woche!

Hasta luego!

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Wenn ich aus der Schule nach Hause komme, werde ich stürmisch von Balou und Lola begrüßt 😀